Hätten wir ohne Drogen Rockmusik?

Hätten wir ohne Drogen Rockmusik?

Hätten wir Edgar Allan Poes “Die Maske des roten Todes”, wenn der geplagte Autor nicht Lithium geschluckt hätte, um seine bipolare Affektstörung zu lindern? Wahrscheinlich nicht, wenn man sich ansieht, wie viele Künstler und Autoren an schweren psychischen Krankheiten leiden. So zumindest schlussfolgert der Psychater Kay Jamison der John Hopkins Medical School auf dem jährlichen Treffen der Gesellschaft für Neurowissenschaften in San Diego. Doch er geht noch weiter und behauptet, dass der Wahnsinn der Menschen diese erst zu solch wundervollen Werken angetrieben hat.

Ein schmaler Grat zwischen Kreativität und Wahnsinn

sex-drugs-rocknrollVincent van Gogh, Virginia Woolf und Lord Tennyson. Alle litten bekannterweise an schweren psychischen Störungen, nutzten Drogen, um ihren Alltag zu bewältigen, zogen aber auch Vorteile aus ihren Geisteszuständen, denn die Krankheit verhalf ihnen dazu, die Tiefen des menschlichen Leidens zu erforschen und am eigenen Leibe zu spüren. Selbstverständlich gibt es jedoch wie immer eine Kehrseite der Medaille, viele Künstler hatten suizidale Gedanken, verloren Kinder und Familie oder mussten ein stark zurückgezogenes Leben ertragen. Heute weiß man, die meisten dieser Krankheiten sind genetisch veranlagt. Wissenschaftler der Universität von Granada konnten sogar einen kausalen Zusammenhang zwischen der Unterentwicklung eines Stranges zum präfrontalen Kortex, der verantwortlich ist für Krankheiten wie die bipolare Störung oder Schizophrenie und dem Potential, Probleme auf kreative Weise zu lösen, entdecken.

Herbeigeführter Wahnsinn

drogen rocknrollDa nicht alle Künstler mit dem “Wahnsinn” geboren werden, entscheiden sich einige von ihnen ganz bewusst dafür, indem sie harte Drogen konsumieren, welche die Wahrnehmung verändern und das Bewusstsein erweitern. Einer von ihnen ist der im Jahre 1942 geborene englische Songwriter Graham William Nash, der mit namhaften Bands wie The Hollies, Crosby oder Nash&Young große Erfolge erzielen konnte. Dies wäre ihm allerdings nicht gelungen, schreibt er in seiner Autobiographie, wenn er keine Drogen genommen hätte. Besonders Cannabis und Kokain gehörten für ihn zum Schreiben dazu, er züchtete sogar seine eigenen Pflanzen aus billig importierten Hanfsamen. “Wir waren verrückt, damals”, schreibt er selbst in seinem Buch. “Vor einer Session wurden erstmal Joints geraucht und Lines gezogen”. Heute ist der Künstler clean, behauptet aber, ohne die Drogen hätte seine Karriere wesentlich anders ausgesehen. Nash beschreibt aber auch, dass die “Drogenspirale” nicht nur ihn, sondern auch seine Mitmenschen verändert hat, und “nicht zum Guten”, wie er hinzufügt. Sein Freund und Partner David Crosby wäre an den Folgen der Drogensucht beinahe gestorben, die Familien seiner Kollegen waren zerrüttet und die Stimmung wurde von Jahr zu Jahr immer schlechter. Kommen wir also auf die Anfangsfrage zurück, ob es ohne Drogen Rockmusik gäbe, müsste man dies wohl mit einem klaren Nein beantworten. Vermutlich gäbe es dann aber auch weitaus weniger Künstler mit suizidalen Gedanken und zerstörten Familienverhältnissen.

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